Radfahren noch einmal lernen – das Pedelec schafft neue Ansprüche

Treten Sie erst einmal in die Pedale eines Pedelecs, sind Sie schnell auf 180 – aber nicht in km/h. Der Elektromotor solcher Fahrräder beginnt zu arbeiten, sobald Sie Kraft auf die Pedale ausüben. Das Rad schießt nach vorne. Um das zu verhindern, optimieren Studenten der Fachhochschule Südwest in Iserlohn Pedelecs im Rahmen eines Hochschulprojekts die Steuerung.

Pedelecs und E-Bikes verbreiten sich seit einigen Jahren rasch auf dem europäischen Markt. In Deutschland steigen die Verkaufszahlen zunehmend und die elektrischen Fahrräder ersetzen gar teilweise das Auto. Doch die höhere Geschwindigkeit und ein ungewohntes Fahrverhalten der Räder stellen auch neue Ansprüche an die Verbraucher.

Steuerkontrolle soll Pedelecs sicherer machen

Ganz so dramatisch ist das in der Regel nicht. Besonders ältere Menschen (Lesen Sie auch: E-Bikes und Pedelecs für Senioren) und jeder, der etwas unsicher auf den Beinen steht, können vom Pedelec aber überrumpelt werden. Eine Art „Beschleunigungsbremse“ gibt es bislang nicht. Doch das soll sich jetzt ändern. Studenten der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn verbessern die Antriebssteuerung für Pedelecs und setzen dabei auf eine leistungsabhängige Unterstützung des Fahrers. Im Rahmen des Moduls Projektmanagement arbeiteten 14 Studenten des Master-Studiengangs Integrierte Produktentwicklung in Iserlohn daran, die Pedelecs zu optimieren. Das Rad soll dabei Daten während des Fahrens sammeln, durch die es mit Hilfe einer speicherprogrammierbaren Steuerung sensibler auf die Anfahrt reagieren kann. So wollen die Studenten das Unfallrisiko minieren und verhindern, dass Radfahrer sich mit den ungewohnten Pedelecs verletzen. Grob gesagt unterscheidet das Fahrrad fortan also zwischen wirkender Kraft auf das Pedal und der Geschwindigkeit, mit der die Pedale getreten werden. Letzteres war bislang anders: Das Pedelec hat nicht darin unterschieden, ob eine gewisse Kraft während laufender Fahrt, bergab, bergauf oder beim Anfahren wirkt. Durch die zweite Komponente, die Drehgeschwindigkeit der Pedale, starten die Räder nun langsamer. Professor Dr. Werner Tschuschke leitet das Projekt, an dem die Studenten ein ganzes Semester gearbeitet haben. Zur Finanzierung trägt der Förderverein Fachhohschule Südwestfalen e.V. in Iserlohn bei und übernimmt einige Unkosten der Materialbeschaffung. Die Studenten möchten das Projekt weiterverfolgen: In einer Marktstudie stellten sie fest, dass Pedelecs einen wesentlich größeren Anteil am Markt einnehmen, als E-Bikes. Zudem zeigt der demographische Wandel, dass es wichtig ist, die Bedürfnisse der älteren Generation zu beachten. Sicherheit und Komfort sei in einer alternden Gesellschaft von großer Bedeutung, erklärt das Team der Iserlohner Studenten.

Noch nicht auf dem Markt

Wer an der neuen Steuerung interessiert ist, muss sich noch gedulden. Bislang existieren nur Prototypen. Wann und ob das Produkt marktreif sein wird oder erscheint, ist bislang nicht bekannt. Sebastian Schütte, einer der mitwirkenden Studenten, zeigt sich jedoch überzeugt davon, dass die Technik für wenig Geld erhältlich sein könnte – wenn nicht sogar serienmäßig als integrierte Technik. Ob die Fachhochschüler die ersten waren, die diese Idee hatten, wissen die Studenten selbst nicht. Eine Patentrecherche ist für die Jung-Ingenieure zu aufwändig. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit könnten sie nach angemeldeten Patenten recherchieren – sofern nicht bereits das nächste Projekt in den Fingern kitzelt.

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